Menschen, die „am Rande der Gesellschaft“ stehen, gehören nicht dazu. Sie sind in der Minderheit. Wie man weiß, ist die Mehrheit immer in der Überzahl und erhebt sich gerne über einen.

Ein Perverser und ein Schwuler stehen auf dem Stephansplatz.
Perverse: “Ich könnte jetzt ne Taube Schnakseln”.
Schwule: “Gurr gurr”!
Was ist schrill, hat neun Arme und lebt im Meer?
Ein Tuntenfisch!
Zwei Schwule sind böse aufeinander.
Sagt der eine: “Geh, leck mich doch am Arsch!”
Darauf der andere: “oooh … sind wir wieder gut?”
Wohin fliegt ein schwuler Adler?
Zu seinem Horst.
Ein Passant gibt einem Penner 5€ und meint:
“Nicht, dass du mir davon Alkohol kaufst.”
“Warum sollte ich dir davon Alkohol kaufen?!?”
- Arbeitslose
- Punks und Penner
- Zigeuner
- Ossis und Ostfriesen
- altersarme Rentner und Nonnen
- Behinderte und Gastarbeiter
sind Randgruppen. Im Grunde kann man beliebig viele Randgruppen isolieren und in ein Klischeebild packen. Klischeebildung, Ablehnung und Vorurteile verbinden sich zu einem Witz, der das Typische dieser Gruppe karikiert. Manche Randgruppenwitze kann man auch unter einer anderen Sparte einsortieren, beispielsweise die Ostfriesenwitze. Zweck der Randgruppenwitze ist, sich selbst als überlegen darzustellen.
Die da am Rande stehen
Der Randgruppenwitz tut so, als stünde man selbst in der gesellschaftlichen Mitte. Tatsächlich ist das aber nicht so. In Wahrheit geht es hier um Ethnozentrismus oder Gefühle der Überlegenheit über andere. Die, die man am Rande der Gesellschaft sieht, möchte man nicht wirklich integrieren. Man macht sie gerne lächerlich. Ob es nun um Schwule geht oder um Zigeuner, um Ossis oder Arbeitslose: Man möchte sich durch den Randgruppenwitz abgrenzen, als besser darstellen und diese Gruppe auch anderen gegenüber als lächerlich oder dumm sichtbar machen. Witze können durchaus eine Form der Diskriminierung darstellen, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Werden sie beispielsweise in einer Gruppe erzählt, bei der sich nur ein einziger Zuhörer getroffen und gemeint fühlt, ist es mit dem Gelächter vorbei. Man kann eben nie wissen, ob unter den Zuhörern nicht jemand ist, der dieser Randgruppe angehört oder sich mit ihr identifiziert.
Politisch korrekt?
In den USA, wo politische Korrektheit wichtig genommen wird, dürften Randgruppenwitze daher nur in Kreisen erzählt werden, die als sicher angenommen werden. Andernfalls hätte der Erzähler wohl sofort eine saftige Klage am Halse. Das wird aber niemanden daran hindern, Randgruppenwitze zu erdenken. Zum Teil ist die Randgruppe im Witz austauschbar, wenn das bewitzelte Klischee gleich auf mehrere Randgruppen zutrifft. Wer in einem Buchladen mit Gay- und Lesbenliteratur einen dreckigen Lesben- oder Schwulenwitz ablassen muss, hat selbst Schuld. Wie witzig ein Witz ist, stellt sich gerade beim Randgruppenwitz oft als sehr relativ heraus.
Die Randgruppe und ihr Gegenspieler
Der Randgruppenwitz lebt vom Gegenspieler, an dessen Überlegenheit die Randgruppe sich spiegeln lassen muss. Zu den Randgruppenwitzen gehören auch solche, bei denen gleich drei Personen auftreten: Ein Ossi, ein Wessi und ein Farbiger beispielsweise. Erst der Witzinhalt erweist, wer die beiden Randgruppenzugehörigen sind und wer sich überlegen fühlt. Klar ist nämlich, dass jeder seine ethnozentristische Sicht hat und sich als überlegen wahrnehmen kann. Von der Perspektive des Wessis aus sind die beiden anderen die Deppen, von der Perspektive des Farbigen aus der Ossi und der Wessi. Dass der Ossi eher Wessi-Witze witzig findet als Ossi-Witze, darf man annehmen. Es geht also gar nicht um tatsächliche Randgruppen, sondern Gruppen, von denen man sich als überlegen abgrenzen möchte. Das kann im Prinzip jede Gruppe sein, zu der man nicht gehört. Punks können sich so im Witz über die Bürgerlichen erheben, Ungläubige über Nonnen.